Jürgen Vogdt : in memoriam
Ein Nachruf
Zurückgezogen arbeitete Jürgen Vogdt kontinuierlich an seinem künstlerischen Werk. Es entstanden Werkblöcke, Serien und Einzelblätter in unterschiedlichen Formaten. Großformatige malerische Mischtechniken breiteten sich auf riesigen Blättern aus. Textfragmente, Kommentare zu Alltagseindrücken, Zitate aus gelesenen Lektüren und von gehörten Musikstücken wurden zu grafischen Akzenten in Vogdts Blättern. Jürgen Vogdt war ein interessierter, wacher Zeitgenosse, der Dinge blitzschnell erfasste, sie sofort analysierte und sprachlich aufarbeitete. Dies machte den erfolgreichen Künstler zum ebenso begehrten Kreativen, der zusammen mit seinem Team in seiner Reeser Werbeagentur umfangreiche und vielfältige Kampagnen umsetzte. Jürgen Vogdt war stets auf Sendung. Er machte mit Freunden Musik. So blieb es nicht aus, dass er Plattencover und Festivalplakate gestaltete. Er hinterließ vielfältige Spuren.
Am Abend lebte der Maler / Zeichner in ihm auf. Im Hintergrund liefen seine Lieblingschallplatten und so entschwand er für mehrere Stunden – manchmal bis in die frühen Morgenstunden – in seinem künstlerischen Kosmos. In seinem großräumigen Atelier auf dem Streufshof in Haldern - und später auf dem Pauhof in Labbeck - entstanden viele gestische großformatige Bilder und Zeichnungen. Vogdt wirkte wie ein Getriebener, der unter Druck seine Gedanken und Vorstellungen auf dem Malgrund hinterließ. Dabei ließ er sich im Malprozess von unterschiedlichen Materialien inspirieren. Alles geschah wie im Rausch mit geballter Energie in enormem Tempo.
Jürgen Vogdt – gebürtig aus Büderich/Wesel – war tief mit dem Niederrhein verbunden. Ein Stipendium des deutsch-französischen Jugendwerks ermöglichte dem jungen Künstler 1976 einen zweimonatigen Arbeitsaufenthalt in der Kulturmetropole Paris. Auf der Biennale in Paris war der Künstler 1982 vertreten. Vogdt wurde entdeckt und in mehreren internationalen Museen zu Einzel- und Gruppenausstellungen eingeladen. Die Kölner Galerie Koppelmann richtete ihm 1981 auf dem Internationalen Kunstmarkt in den Kölner Messsehallen eine Einzelausstellung ein. Es erschienen Kataloge zu seinem künstlerischen Werk. Arbeiten von Vogdt wurden in öffentliche und private Kunstsammlungen aufgenommen. Ausstellungsmacher beachteten ihn zunehmend.
Jürgen Vogdt war ein enger Freund von Joseph Beuys. Hans van der Grinten machte ihn in der Gründungsphase des „ Beuys-Museums“ zum Pressesprecher der Stiftung Schloss Moyland. Die Sehnsucht nach dem Ausleben seiner künstlerischen Ader trieb den Künstler jedoch zurück in sein Atelier, um wieder vermehrt Bilder und Zeichnungen zu schaffen.
Im Januar 2023 verstarb Jürgen Vogdt nach langer Krankheit in Xanten. Er hat viele Jahre in Haldern gelebt und künstlerisch gewirkt. Für das Haldern-Pop-Festival und für andere von Heiner Frost veranstaltete Konzerte hat er mehrfach Plakate gestaltet. Das künstlerische Frühwerk von Jürgen Vogdt fiel bei einem Brand den Flammen zum Opfer. Posthum hat das Museum Kurhaus in Kleve eine repräsentative Werkauswahl des Künstlers gezeigt. Hierzu ist ein lesenswerter, reichbebilderter Ausstellungkatalog erschienen.
Peter Kerschgens, März 2025
Nachtrag: Im Kurhaus Kleve findet vom 26.10.'25 bis zum 26.4.'26 die Ausstellung “More Than Ever! The Collection“ statt, in der auch 5 Werke von Jürgen Vogdt gezeigt werden.
Jürgen Vogdt
Meine Bilder wissen nicht, dass es sie gibt. Meinen Bildern ist egal, wer sie gemalt hat.
Wolfgang Becker
Hier ist einer, der Fragen aufreißt und Antworten vorgaukelt. Hungrig verschlingt er ununterbrochen tausende Informationen, die auf ihn eindringen; er verdaut sie und entlässt sie zeichnend, malend. Zuweilen schließt er die Augen, lässt die Hand schlafwandeln. Sein Gehirn projiziert die Irritationen seiner Synapsen.
Joseph Beuys
Beuys: Jürgen, willste mein Assistent werden? Vogdt: nee Jupp, lieber nicht.
Hans van der Grinten
Van der Grinten: Vogdt, können Sie sich vorstellen, Pressesprecher der Stiftung Museum Schloss Moyland zu werden? Vogdt: Mach ich gerne.
Guido de Wert
Eine erste Konfrontation mit den Arbeiten des Künstlers Jürgen Vogdt verursacht ausnahmslos Verwirrung und Ratlosigkeit. Aber das ist sein Werk. Von einer solchen innerlichen Logik und Konsequenz, dass die Integrität der künstlerischen Aussage Jürgen Vogdts vorausgesetzt werden muss. Die Handschrift Vogdts ist unverkennbar äußerst sensibel; manchmal neigt sie in der Mühelosigkeit des Striches und in der Unerschöpflichkeit der Linienführung zur Demonstration von Virtuosität.
Heiner Frost
Vogdts Kunst: eine weite Landschaft: Weidelandschaft: ein Leben aus Hinsehen. Vogdt ist ein Gewächs vom Niederrhein. Müsste er eine Pflanze sein – er wäre Kartoffel: Über der Erde giftiges Gestrüpp. Unter der Erde das Eigentliche: Delikatesse unter Tage.









